Donnerstag, 28. November 2013

Rezension ~ "Ein Blick zu viel" von Edith Schreiber-Wicke


Klappentext


Ein Mädchen verschwindet. Ein anderes taucht auf. Beide stecken in Schwierigkeiten. Jeder Blick kann einer zu viel sein in diesem lebensgefährlichen Spiel. 

Buchdaten:

Verlag: Planet Girl
Seiten: 272
ISBN: 3522502485
Originaltitel: -
Buchreihe: Nein
Erscheinungsdatum 5. Januar 2011
Zur Leseprobe: HIER KLICKEN



Der erste Satz
"Wer fehlt?" 

Meine Meinung:


Ich habe es noch nie gehabt, dass ich ein Buch auf Seite 26 bereits abbrechen wollte. 
Ich habe es auch noch nie erlebt, dass ein Hauptprotagonist derart emotionslos und oberflächlich ist. 

Wo soll ich anfangen? Am besten mit dem Schreibstil. 
Ich hatte den Eindruck, als könnte die Autorin sich nicht entscheiden zwischen: 

Ich versuche mal was Spezielles – kurz – prägnant: 


 „Das Gesicht an der Plakatwand. Föhnfrisur und zu viele zu regelmäßige Zähne. Falten wegretuschiert. Sie konnte das beurteilen. War ihm vor einiger Zeit begegnet. Bei welcher Gelegenheit? Egal.“ – S.7 

Oder doch lieber Jugendlicher mit angepasstem Sprachstil? 


„In ihrem Bauch krampfte sich etwas zusammen. Dann ein schneidender Schmerz. Noch einmal. Wenn sie jetzt die Regel kriegte, dann war das eine ganze fucking Woche zu fucking früh.“ – S. 50 

Vielleicht aber doch lieber mit vielen sinnlosen englischen Wörtern oder Sätzen einfach so mittendrin? Damit auch unbedingt auffällt, dass die Autorin viele englische Wörter kennt, werden diese auch vorsichtshalber immer schön kursiv geschrieben ;) 


„Paul war nicht vorbereitet auf das, was dann geschah. Apocalypse now.“ – S. 64 
„Paul fühlte Ärger aufsteigen. Großartige role models gaben die Herren und Damen Gymnasiallehrer ab.“ – S. 65 
„Besagter Popstar hat so viel Publicity gekriegt, dass auch für mich etwas stardust abgefallen ist“ – S. 73 
„Man wird so, wenn man viel mit celebrities beisammen ist.“ Second hand life“ kommentierte Paul. – S.81 

Das sind nur Mini-Beispiele. 
Es gibt auch ganze Sätze …aber praktisch auf jeder Doppelseite findet man hübsch was in kursiv geschrieben. Wozu?!?!? 

Okay.. zur Story. 

Die Protas: 

Paul
Paula
Daniel
Ich muss ganz ganz viel erzählen und schreiben, wie bekloppt das ist. 
Aber keine Angst, ich erzähle nicht das Ende oder so. Auch wenn es viel wirkt .. aber es muss raus.. sorry ;) 

Also erst einmal zum Anfang. Da ist Paul. Ein total erfolgreicher und überhaupt der beste Privatdetektiv… der Teuerste überhaupt.. Boah! 
So wichtig, dass er eine Wohnung in einem vierten Stock bewohnt, darauf achtend auf dieser Etage allein zu leben und an der Haustür weder Namensschild noch Klingel zu haben. Ist immerhin seine Festung, da hat niemand was zu suchen. Praktischer weise hat er aber gleich nebenan eine Gästewohnung, aha. Und in der Garage steht ein Lamborghini Spider. Scheint gut zu verdienen. So wird er also von einem reichen Ehepaar angeheuert, weil deren verzogene Tochter verschwunden ist. 
Also nimmt Paul, der gleich zu Beginn weder sympathisch noch unsympathisch wirkt, da man – außer dass er gerne kocht – nicht viel erfährt – gleich die Ermittlungen auf und geht in die Schule der Tochter. Dort scheinen alle aktuell den Gothik Style zu bevorzugen. Dank dieser Tatsache gibt es immer wieder „lustige“ Anspielungen auf deren Vampir-Aussehen wie aus Twilight. Haha… :-/ 

Am Abend hört er dann, wie der Aufzug in seiner Etage anhält. Oh nein… irgendwelche Killer?? Oder die notgeile Nachbarin? Irgendwann macht er dann doch die Tür auf und vor ihm steht ein junges Mädchen. 15 Jahre alt.. sieht aber aus wie 13. 
Sie – ihren Namen hat sie ihm zu verdanken – heißt Paula und eröffnet ihm mit ihrer frechen Schnauze dann auch bald, dass er ihr Vater ist. Außerdem noch, dass ihre Mutter – mit der er dann wohl vor 16 Jahren ne schöne Nacht hatte – verschwunden ist. 

Praktischerweise ist er ja Privatdetektiv und kann sie wiederfinden oder? Fällt er aus allen Wolken? Muss sich setzen? Will alles wissen? Veranlasst einen Test? Nein… er stellt nur eine Frage. Ratet welche? Ob sie Hunger hat! 

Also gibt’s was zu essen und dann soll sie schlafen gehen. Er würde erkennen wie müde sie ist. Am nächsten Morgen… bombardiert er sie da endlich mit Fragen? Ist zerwühlt, da er mit noch nicht ganz Mitte 40 plötzlich unverhofft Vater geworden ist? 

Neeee… er fährt sie erst einmal in die Schule um sie als Gastschülerin anzumelden. Das arme Kind (das übrigens dank ihres fotografischen Gedächtnis mindestens 5 Sprachen fließend spricht und einen grünen Gürtel in einer asiatischen Kampfsportart besitzt) darf ja nicht hinterher hinken und muss unbedingt in den Unterricht. Sie hat natürlich gleich die Situation mit der vermissten Schülerin erkannt und bietet sich sofort als Maulwurf an. Wie praktisch. Und er gleich: Oh jaaaa !!! 

In der Schule ist sie dann von den ganzen „Vampiren“ umgeben und findet nun nicht so gut Anschluss. Die Erste, die Paula übrigens anquatscht heißt Alice. Noch Fragen? 
Aber dann sieht sie IHN… und sie so: 

Und er so:

Dann verschwindet er. Paula kehrt zurück zu Paul und er hört was und wieder „Ahhhh.. die Killer.. sie kommen um mich umzubringen“.. und zückt gleich mal seine Waffe. Aber puh, es ist dann doch nur seine Tochter ;) Sie erzählt ihm dann, was sie so rausgefunden hat. Am nächsten Tag quatscht ihr Schwarm sie auch gleich an. Huiiii… begleitet sie ein paar Schritte und zeigt ihr, wo er wohnt. 

Nämlich in einem großen großen Haus, der tolle Hecht. 

Nachmittags will Paula dann für sich einkaufen gehen, 

denn ihre Mutter ist ja verschwunden und hat lustiger weise ALLE ihre Sachen mitgenommen. Paula weiß gar nicht, warum sie überhaupt nach Wien gekommen waren – waren da nämlich eigentlich nur zu Besuch. Aber was für ein Zufall, dass sie trotzdem den Schlüssel dabei hatte, mit dem Paula sich Zutritt in Pauls geheime Etage verschafft hatte. Den hatte sie nämlich mit einem Schildchen „Paul“ bei ihrer Mutter gefunden. Tja,… wenn ich in den Urlaub fahre, nehme ich auch einfach mal so Schlüssel mit, die bei meinen Eltern so rum liegen, oder?! ;) 

Auf jeden Fall beobachtet der Neu-Vater Paul, der eigentlich auf mich etwas paranoid wirkt (hatte er Paula doch ständig gefragt, wer sie schickt... vielleicht irgendwelch Killer? Und hat er sogar die Tür hinter sich abgeschlossen, falls die Killertochter ihn nachts im Schlaf ermorden möchte),

wie Paula das Haus verlässt um shoppen zu gehen– noch immer nicht geschockt von der Tatsache auf einmal Vater zu sein. Er sieht, wie sich ein Mann von einem Baum löst und seiner Tochter sofort folgt. 

Offensichtlich hat ein Unbekannter Paula aufgelauert. Eigentlich ganz schön gruselig, vor allem wenn man bedenkt, dass es ja offenbar eh immer Killer auf ihn abgesehen haben und seine Ex-Flamme auf mysteriöse Art verschwunden ist und nun seine Tochter verfolgt wird. 

Er wird panisch, schnappt sich seine Knarre und eilt der Tochter zur Rettung?! 

Denkste… er wendet sich vom Fenster ab, geht zum Notebook und starrt auf den Monitor – überlegend, wo denn nun die verzogene Teenie-Göre steckt. 
 "I don´t care.....dum di dum..."

Die Teenie-Göre war scheinbar auf einem Konzert, das sonst nicht in ihre Schema passt – so was wie Michael Wendler, bloß, dass er hier anders genannt wird und scheinbar auf Teenie-Gören steht ;) Und …wow… welch Überraschung… Paula kennt diesen Wendler-Typen und hat seine Handy-Nummer. Sie ruft ihn auch gleich mal an und verabredet sich mit ihm.
Das erzählt sie ihrem liebsten Papa, nachdem sie von der Shopping-Tour mit ihrem Schwarm zurück ist. Der war es nämlich, der ihr da aufgelauert hat. 


„Ich dachte, wenn ich bloß lange genug an der Haltestelle rumhänge, dann wirst du irgendwann auftauchen“ – S. 105 

 :-O Wie lange wollte er denn da warten? Hatte er auch ein Zelt dabei?!??! 

Ich könnte jetzt ewig so weiterschreiben und glaubt mir, es wird immer bekloppter und schlimmer! Die Protas sind so was von Oberflächlich, das Story ist einfach nur unlogisch. Für mich wirkt auch die Auflösung so an den Haaren herbei gezogen.

Paula (die mit 15 sogar schon ein Tattoo hat!) dann natürlich nur noch so: 



 "Die blaugrauen Funkel-Augen... hach"

Und ich nur noch so: 

Wer das Buch nie lesen wird und wissen möchte, wie es weiter geht, klickt hier und kann alles nachlesen: 



Positiv: Es ist kein dickes Buch und die Schrift ist sehr groß, d.h. man hat das Buch schnell durch. 

Fazit


Eigentlich doch keine Zeitverschwendung, weil ich die ganze Zeit laut aufgelacht hab, so bescheuert war das Ganze. Ich weiß ja, dass es ein Jugendbuch ist... kann mir aber kaum vorstellen, dass das junge Publikum mit so einer irrsinnigen Story, den ständigen englischen Wörtern und den öden Protagonisten glücklich ist. 
Wer gerne mal ein Buch lesen möchte, bei dem er die ganze Zeit den Kopf schütteln muss, dann hier bitte zu greifen ;)
Bewertung:



Über die Autorin:
Edith Schreiber-Wicke wurde 1943 in Oberösterreich geboren. Sie studierte Theaterwissenschaften, Germanistik und Kunstgeschichte und arbeitete in einer Werbeagentur als Texterin. Daneben veröffentlichte sie Kurzgeschichten und Lyrik in Zeitschriften und Anthologien. Ihre Bücher sind in zahlreiche Sprachen übersetzt und vielfach mit literarischen Preisen ausgezeichnet worden (u.a. dem Eulenspiegel-Preis für „Als die Raben noch bunt waren“). Edith Schreiber-Wicke lebt und arbeitet in Grundlsee, Wien und Venedig.


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Kommentare:

  1. Coole und sehr lustige Rezension!
    Mach weiter so..

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    1. Danke :) Irgendwie schrie das Buch danach, dass man es nicht so wirklich ernsthaft rezensiert ;)

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  2. Jesses - das Buch hätte ich wohl in die Tonne gekloppt. ;)

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    1. Es fällt mir immer schwer, Bücher abzubrechen... ich hab ja immer die Hoffnung, das es doch noch besser wird und mich noch überrascht. Naja... Kommt wohl nicht auf den "Muss ich unbedingt behalten" -Stapel ;)

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  3. Du meine Güte! Also alleine diese Textstellen reichen mir! Das du es ganz gelesen hast - Hut ab!
    Liebe Grüße
    Martina

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    1. Bei so nem bekloppten Buch MUSS man einfach wissen, ob das Ende den vorherigen Teil noch toppen kann ;)

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  4. Grüß Dich, Nica.
    Vernehme ich da eine volle Breitseite Sarkasmus Das literarische Pendant zu faulem Gemüse auf die Theaterbühne. :-)
    Wobei mir eine animierte Rezension auch zum ersten Mal unterkommen ist. Viel Arbeit?
    Als Thriller scheint Dir das Buch ordentlich auf den Nerven herumgekaut zu haben.

    bonté

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    1. Volle Breitseite Sarkasmus von mir? Ich weiß doch gar nicht, wie man sarkastisch spricht und kann auch nur brüchig Ironie ;)

      Die Arbeit hielt sich in Grenzen... eine App hat mich da sehr gut unterstützt :) Dachte, es wäre einfach mal ne witzige Idee :)

      Stimmt.. jetzt wo Du es schreibst... vielleicht hat der Thriller ja doch sein Ziel erreicht? Soll ein guter Thriller nicht in den Wahnsinn treiben? Muss ich jetzt den Goldstatus vergeben? Verdammt... ;)

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Ich freue mich wirklich sehr über Kommentare. Vielen Dank! <3