Dienstag, 4. Juni 2013

Rezension ~ "Der beste Freund, den man sich denken kann" von Matthew Dicks

Verlag: Bloomsbury Berlin
Seiten: 448
ISBN: 382701140X
Originaltitel: Memoirs of a Imaginary Friend
Buchreihe: Nein
Erscheinungsdatum 26. Februar 2013
Bewertung: 4 von 5 Punkte
Budo ist ein imaginärer Freund – kein leichter Job, ist er doch ausgerechnet der imaginäre Freund von Max. Und der hat massenhaft Probleme. Mit den Eltern, in der Schule und vor allem mit sich selbst. Ein außergewöhnlicher Roman mit einem einzigartigen Erzähler, der uns daran erinnert, was es heißt, ein Freund zu sein. Budo ist der beste Freund, den sich der achtjährige Max vorstellen kann. Eben weil er sich ihn nur vorstellt. Doch eines Tages wird Max nicht länger an ihn glauben und Budo wird aufhören zu existieren. So weit ist es jedoch noch nicht. Denn Max ist anders als die anderen Jungen: Er mag es nicht, wenn man ihn berührt, er liebt es, Dinge zu ordnen, er schaut Menschen ungern in die Augen. Kein Wunder, dass die Schule ein einziger Spießrutenlauf für ihn ist. Als die Lehrerin Mrs Patterson ein verdächtiges Interesse an Max bekundet, spitzt sich die Situation jedoch zu, so dass Budo eine dramatische Entscheidung treffen muss. Klug, schräg, spannend und oft umwerfend komisch erzählt Matthew Dicks davon, dass man beileibe nicht echt sein muss, um ein wahrer Freund zu sein.


Der erste Satz
Was ich weiß, ich das: Mein Name ist Budo.

Zur Leseprobe: HIER KLICKEN


Das Cover:

Das Cover ist sehr auffällig. Passt auch zum Buch, auch wenn es meinem Geschmack nicht sooo sehr entspricht. Aber hässlich finde ich es auch nicht ;)

Meine Meinung:

Nachdem mich das doch recht hoch gelobte Buch „Mein Sommer nebenan“ nicht so recht überzeugen konnte, griff ich zu dem Buch mit dem seltsamen Titel „Der beste Freund, den man sich denken kann“. Zunächst mag dieser Titel etwas kurios wirken, aber wenn man die Story kennt, weiß man: Es könnte keinen besseren Titel geben: Perfekte Wahl!

Es geht nämlich um einen Freund, den sich jemand (aus)gedacht hat: Budo.
Budo ist ein imaginärer Freund. Der Freund vom kleinen Max mit autistischer Veranlagung, der lieber in seiner eigenen Welt lebt, nicht angefasst werden will und außer seinem imaginären Freund Budo daher keine Freunde hat.

Die Idee hinter dieser Story ist, dass Budo durchaus in einer für sich realen Welt lebt. Er „lebt“ und fühlt und kann mit anderen imaginären Freunden reden und sich anfreunden. Für ihn ist es schlimm, wenn ein Kind aufhört an seinen imaginären Freund zu glauben und dieser dadurch aufhört zu existieren. Dabei sehen diese imaginäre Freunde alle komplett unterschiedlich aus und können auch unterschiedliche Dinge. Eben, wie kleine Kinder sich den Freund denken. Die meisten Kinder denken nicht an Ohren, so fehlen also vielen imaginären Freunden die Ohren. Oder wenn das Kind sich nicht vorstellt, dass der imaginäre Freund auch durch Türen gehen kann, ist dieser in dem Zimmer gefangen, bis jemand eine Tür öffnet. Budo hat das große Glück, dass Max ihn sich sehr detailliert ausgedacht hat und so hingehen kann, wohin er will und dabei auch sehr menschlich aussieht. Dennoch hat Budo große Angst davor, dass Max irgendwann nicht mehr an ihn glaubt und auch aufhört zu existieren. Wird es weh tun? Natürlich denkt Budo auch nicht wie ein erwachsener Mensch sondern eher wie ein (doch recht kluges) Kind, dass aber dennoch noch nicht alles versteht/verstehen kann.

So ist der Schreibstil zunächst auch sehr sehr ungewöhnlich. Ich schwankte ziemlich stark zwischen beeindruckt sein, wie sich der Autor in eine imaginäre Figur versetzen konnte und fand die Denkansätze geradezu genial und der Tatsache, dass mich das Buch dennoch irgendwie langweilte. Das Buch ist aus der Sicht von Budo geschrieben und Budo neigt bei seinen Erzählungen dazu, ziemlich abzuschweifen und sehr ausführlich zu erzählen. Das hat das Buch extrem langatmig für mich werden lassen –anfangs. Bis ca. Seite 140 war da diese Zerrissenheit in mir. Was sollte ich von dem Buch halten? Es war eigentlich genial geschrieben und trotzdem ödete ich mich.

Bis eine Wendung eintritt. Denn auf einmal passiert etwas, bei dem Budo über sich hinaus wachsen muss. Max braucht seinen imaginären Freund mehr denn je und auf einmal gab es kein Halten mehr. Die Nächte wurden länger und länger, denn auf einmal MUSSTE ich einfach wissen: Wie geht’s weiter?

Max ist in Gefahr, aber wie soll ein imaginäres Wesen ihn denn retten? Und was, wenn er ihn nur retten kann, indem er Max dazu bringt, nicht mehr an ihn zu glauben, was das sofortige Ende für Budos Existenz bedeuten würde?

Das Anfangs doch recht langatmige Buch mit zu vielen Ausschweifungen machte für mich eine 180 Grad Drehung und wurde plötzlich zum Pageturner, den ich kaum zur Seite legen konnte. Zu groß war die Neugier: Wie kann ein imaginärer Freund einen kleinen Jungen in Not helfen? Ich fing an, mit Budo mitzufühlen; Max in den Arm nehmen zu wollen, fieberte mit und musste lesen lesen lesen, bis ich das Buch zufrieden und auch ein wenig traurig zur Seite legen konnte.

Als Erwachsene möchte ich plötzlich daran glauben, dass imaginäre Freunde real sind. Einen Freund wie Budo sollte jeder haben.
Ich glaube, wenn meine Tochter sich irgendwann einen imaginären Freund ausdenkt, werde ich immer an dies Buch denken müssen und wer weiß, vielleicht ist ihr Freund ja doch ein wenig real?! ;)

Einen Punktabzug für den langatmigen und für mich etwas mühsamen Einstieg, aber es hat sich gelohnt!

Bewertung:


Über den Autor:
Matthew Dicks hat am Trinity College in Hartford, Connecticut, studiert und arbeitet als Grundschullehrer. Auf Deutsch erschienen bisher »Der gute Dieb« (2009) und »99 Sommersprossen« (2010). Er lebt mit seiner Frau, zwei Kindern, einem Hund und einer Katze in Newington, Connecticut.



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Kommentare:

  1. Ich fand das Buch klasse. Ich habe es zwar nicht als langatmig empfunden, aber ich kann es nachvollziehen.
    Es hat meine Sicht auf imaginäre Freunde auch verändert.

    Alles Liebe, Sophie

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  2. "Es war eigentlich genial geschrieben und trotzdem ödete ich mich." So ging es mir anfangs auch, aber die Idee hat mich einfach von Anfang an fasziniert und das Durchhalten wird ja auch wirklich belohnt. Ich habe gelacht und geweint, und so ist das Buch zu meinem letztjährigen Jahreshighlight geworden :-)

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