Mittwoch, 1. Mai 2013

Rezension ~ "Ein ganzes halbes Jahr" von Jojo Moyes

Verlag: rororo
Seiten: 512
ISBN: 3499267039
Originaltitel: Me before you
Buchreihe: Nein
Erscheinungsdatum 21. März 2013
Bewertung: Goldstatus
Lou & Will. Louisa Clark weiß, dass nicht viele in ihrer Heimatstadt ihren etwas schrägen Modegeschmack teilen. Sie weiß, dass sie gerne in dem kleinen Café arbeitet und dass sie ihren Freund Patrick eigentlich nicht liebt. Sie weiß nicht, dass sie schon bald ihren Job verlieren wird – und wie tief das Loch ist, in das sie dann fällt. Will Traynor weiß, dass es nie wieder so sein wird wie vor dem Unfall. Und er weiß, dass er dieses neue Leben nicht führen will. Er weiß nicht, dass er schon bald Lou begegnen wird. Eine Frau und ein Mann. Eine Liebesgeschichte, anders als alle anderen. Die Liebesgeschichte von Lou und Will.


Der erste Satz
Als er aus dem Bad kommt, ist sie wach, hat sich gegen das Kopfkissen gelehnt und blättert durch die Reiseprospekte, die neben seinem Bett gelegen haben.

Zur Leseprobe: HIER KLICKEN


Das Cover:

Ein zauberhaftes Cover. Traurig süß, wenn man den Inhalt kennt. Ich habe ein Leseexemplar und muss sagen, dass dieses mir vom Material sogar noch besser gefällt, als die übliche Handelsausgabe. Der weiße Part ist beim Leseexemplar matt und rau, wodurch sich das glänzende Mädchen und der glänzende Buchtitel noch mehr abhebt. Liebe!


Meine Meinung:
Taschentuch-Alarm ganz extrem!!

Ich muss das Fazit gleich vorweg nehmen: 
Ich habe wirklich schon lange lange lange nicht mehr bei einem Buch soooo geweint, wie bei diesem hier!
Nennt mich Gefühlskalt oder verquer, aber im Vergleich zu diesem hier, hat mich selbst "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" von John Green kalt gelassen.

Gott, ich weiß kaum, wie ich meine Gefühle zu diesem Buch in Worte fassen soll. 

(Allgemein tue ich mich in letzter Zeit extrem, wirklich extrem schwer mit Rezis schreiben und schüttel selbst über mich den Kopf, was ich mir da zusammen texte. Ich hab schlimm nachgelassen, oder? Mag jemanden meinen Senf noch lesen? Naja.. ist ein anderes Thema ;))

Aber von vorne: 
"Ein ganzes halbes Jahr" wurde auf soooo vielen Blogs bereits besprochen. Ich weiß nicht wieso, aber ich hatte keine einzige Rezension gelesen. Erst eine Buchempfehlung per Kommentar brachte mich dazu, dieses Buch näher zu betrachten. Cover gefiel sofort - Klappentext klang nach einem Liebesroman. Das ist doch was für die kleine Nica, dachte ich mir ;)

Das Buch beginnt gleich mit einem tragischen Prolog. Zunächst lernt der Leser einen echten Abenteurer kennen. Will. Ein Anzug tragender Businesstyp  der im Privatleben die Abenteuer sucht. Bunjeespringen, Surfen, auf Berge klettern, Motorrad fahren - nichts ist ihm zu gefährlich. Er liebt hübsche Frauen - besonders seine Freundin - seinen Job und das Leben. Bis zu dem schicksalhaften Moment, wo er zu Fuß unterwegs ist und ein Motorrad auf ihn zurast. Etwas geschockt entschloss ich mich aber sofort weiterzulesen.

Die Entscheidung wurde auch sogleich mit einer zauberhaften und Herz erwärmenden Protagonistin belohnt, die ich mir bildlich vorstellen konnte und die ich gleich auf meine imaginäre "Mit der wäre ich gerne befreundet-Liste" setzte. Eine Protagonistin, bei der man sofort merkt: sie ist irgendwie anders - trägt ihr Herz aber am rechten Fleck. Lou(isa) fällt in ihrer kleinen Heimatstadt auf wie ein bunter Hund. Eine Heimatstadt, in der der Dreh und Angelpunkt eine Burg ist und sich die kleine Stadt im Grunde mit den Einnahmen der Touris finanziert. Dort geht alles recht bodenständig zu und gerade die Jüngeren haben eigentlich den Wunsch, von dort wegzukommen - was zu erleben - die Großstadtluft zu atmen. Jedoch nicht Lou. 

Lou ist es herzlich egal, was der normalo Bürger so anzieht oder über sie denkt. Durch ihren schrägen Kleidungsstil fällt sie auf wie ein Regenbogen-gemustertes Schaf in einer weißen Schafherde. Als sie ihren geliebten Job in dem kleinen Café wegen Schließung verliert, verliert sie zunächst auch den Halt unter ihren Füßen. Ist sie doch diejenige, die den größten Teil des Haushaltsgeldes verdient. Lou wohnt nämlich noch bei ihren Eltern. Ihre Mutter kann nicht arbeiten, da sie sich um den kranken - ebenfalls dort lebenden - Opa kümmert, ihr Vater ist kurz davor seinen Job zu verlieren, da Entlassungen ins Haus stehen und die Schwester hat einen kleinen Sohn und verdient als Blumenverkäuferin nun auch nicht viel. 
So ist Lou gezwungen, den Job anzunehmen, der ihr angeboten wird. 

Jetzt hatte ich - wie wohl viele Leser - ein kleines Déjà-vu: Sie wird Pflegerin bei einem Tetraplegiker: bei Will. Darauf war ich nicht vorbereitet, dass es Will SO schlimm getroffen hat. Doch vor kurzem hatte ich mir erst "Ziemlich beste Freunde" angeschaut, wo ein junger Mann der Pfleger eines Tetraplegiker wird. Tetraplegie = Querschnittsgelähmter, bei denen die Arme und Beine gelähmt sind, also praktisch vom Hals abwärts. Und so konnte ich mit dem Begriff bereist etwas anfangen und auch, wie schlimm es sein muss. 

Doch wer jetzt denkt, er bekommt "Ziemlich beste Freunde" mit kleiner Liebesstory: Weit gefehlt. Pfleger und Tetraplegie...ja, aber dann hören die Gemeinsamkeiten beinahe auf und wir erhalten ein so wundervolles Buch, dass mich weinen und lachen ließ; dass mich grübeln ließ und mich unglaublich bewegt hat. Will und Lou sind zunächst wie Katz und Maus und liefern sich solch grandiosen Wortgefechte, dass ich mir teilweise Abends im Bett auf die Zunge gebissen habe, um nicht laut loszulachen und damit meine schon schlafende Familie neben mir zu wecken.

Jojo Moyes hat Charaktere mit unglaublich viel Tiefgang erfunden. Kein Charakterzug ist willkürlich gewählt. Selbst Lous eigenwilliger Kleidungsstil hat einen Hintergrund, von dem der Leser nach und nach erfährt. Mit ihren spritzigen und oft vor Sarkasmus triefenden Auseinandersetzungen haben die Beiden sich einfach absolut in mein Herz geschimpft und ich hatte wirklich noch niemals bei einem Buch so sehr Angst vor dem Ende. Und doch flogen dank des fantastischen Schreibstils und der absolut packenden und extrem emotionalen Geschichte, die Seiten nur so dahin. Und obwohl ich wirklich Taschentuch-Alarm hatte, empfinde ich "Ein ganzes halbes Jahr" als rundum perfekt und bin mit allem einverstanden... die Wendungen, die Empfindungen, das Ende. Auch wenn ich während des Lesens teilweise ganz anders gedacht habe, aber abschließend und nach ein paar Tagen Bedenkzeit, kann ich nur sagen: Wow.. perfekt. Geht nicht anders. Jojo Moyes: alles richtig gemacht.

Und ich habe wirklich viele viele Tage über dieses Buch nachgedacht und auch jetzt ist es noch nicht aus meinem Kopf heraus. Ich habe lange gebraucht, um ein neues Buch beginnen zu können und ich weiß, dass ich dieses Buch niemals niemals niemals wieder hergeben werde. 

Das wohl emotionalste Buch, dass ich je gelesen habe. Voller Humor, voller Zweifel, voller Gefühle. Der Leser wird regelrecht "gezwungen" darüber nachzudenken, was für Hürden Rollstuhlfahrer im Alltag so haben - und das ist auch gut so! Man muss über seine Meinung zum Thema Sterbehilfe nachdenken, darüber, wie und ob man selber mit Tetraplegie weiterleben könnte und wollte. Auf der nächsten Seite wird man wieder mir einem tollen wortreichen Schlagabtausch überrascht und es wird auch ein klein wenig unkitschig romantisch. 

"Ein ganzes halbes Jahr" ist aufmunternd, es ist zum lachen, es ist zermürbend, es ist tiefgründig, es ist.. unglaublich... und das alles gleichzeitig.
Kein Buch, dass einem so schnell wieder aus dem Kopf geht. Lou und Will haben für immer ein kleines Plätzchen in meinem Herzen ergattert. *schnief*

Bewertung:



Buchtrailer


Über die Autorin:
Jojo Moyes, geboren 1969, hat Journalistik studiert und für die «Sunday Morning Post» in Hongkong und den «Independent» in London gearbeitet. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern auf einer Farm in Essex.



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Kommentare:

  1. Argh, bei den vielen vor Lob übersprudelnden Rezensionen komme ich ja ums Lesen nicht herum :D
    Und mir graut es jetzt schon vor dem Ende ._.

    Alles ♥, Josi

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  2. Hallo Nica,
    ich habe das Buch erst gestern Abend ausgelesen und wie schon am Abend davor Rotz und Wasser geheult. Dieses Buch ist einfach der Hammer, wunderbar, traurig, extrem emotional und trotzdem mußte ich zwischendurch auch mal schmunzeln. Ich denke, dass mich die Geschichte über Lou und Will noch sehr lange verfolgen wird, ich muss nur darüber nachdenken, schon kommen mir wieder die Tränen.
    Liebe Grüße,
    Melanie

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  3. Hallo Nica,
    ich lese das Buch zur Zeit, mich berührt die Geschichte sehr und manchmal muß ich auch lachen über Lou und Will. Liebe Grüße Monika

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  4. Eben fertig gelesen - oh how beautiful!

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  5. Eben fertig gelesen - oh how beautiful!

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