Sonntag, 7. April 2013

[Rezension] "Kimi he - Worte an Dich" von Christina Plaka

Verlag: Carlsen
Seiten: 168
ISBN: 3551766495
Originaltitel: -
Buchreihe: Nein
Erscheinungsdatum 19. März 2012
Bewertung: 5 von 5 Punkte
Eine unmögliche Liebe! Christina Plaka verbrachte als erste deutsche Mangaka ein Jahr an der Seika-Universität in Kyoto, wo sie zum ersten Jahrgang des Masterkurses an der Graduate School of Manga Studies gehörte. Ihre Abschlussarbeit erscheint nun als Buch - und überrascht in nahezu jeder Hinsicht: KIMI HE - WORTE AN DICH ist eine autobiographisch inspirierte, zarte Liebesgeschichte. Anders als ihre bisherigen Manga ist KIMI HE in einem grafisch sehr offenen, detaillierten Stil und sehr ruhigem Storytelling gehalten. Mit diesen Stilmitteln gelingt es ihr auf erstaunliche Weise, schöne und zarte, aber auch heikle Momente einer schier unmöglichen Liebe minutiös auf Papier zu bannen.


Der erste Satz
Die ersten Sonnenstrahlen wärmten mein Gesicht.

Das Cover:
Schon das Cover hat eine gewisse Anziehungskraft und zeigt die Autorin selbst. Vor allem, wenn man das Buch gelesen hat, dann bewegt einem schon dies und man erkennt noch besser, wie viel Gefühl sich im Gesichtsausdruck und hinter der Körperhaltung verbirgt.

Meine Meinung:

Als mir dies Buch angeboten wurde, dachte ich zunächst: Huch... ein Manga???
Doch schnell war klar, dass dies autobiographische Werk kein Manga im üblichen Sinne ist. Nicht nur, weil es wie ein normales Buch von vorne bis hinten und nicht wie Mangas von hinten nach vorne gelesen wird, nein, es ist etwas ganz besonderes.

Christina Plaka gewährt uns mit diesem Buch einen sehr intimen Blick in ihre Seele.

Ohne viele Worte drückt das Buch durch wundervolle Zeichnungen eine Phase aus ihrem Leben aus, die viele von uns ganz ähnlich schon einmal erlebt haben: Dies Gefühl, wenn man merkt, man ist in der Nähe einer bestimmten Person unendlich glücklich. Dies Gefühl, wenn die Zeit bis zum nächsten Wiedersehen schier unendlich erscheint. Dies Gefühl, wenn man vor Glück jubeln könnte, im nächsten Moment dann aber plötzlich alles über einem zusammenbricht. Diese Achterbahn der Gefühle, wo wir manchmal gar nicht wissen, wohin damit, weil wir das Gefühl haben, darin zu ertrinken.

Auch Christina Plaka wusste nicht wohin mit ihren Gefühlen, als sie wegen ihres Studiums eine Zeit in Kyoto lebte und ausgerechnet in einer orthodoxen Kirche einen jungen Japaner kennen lernte.

"Die Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit und beschreibt die wahrscheinlich bis jetzt emotionalste Phase in meinem Leben. Für meine Gefühle gab es nur eine Antwort - dieses Buch zu zeichnen." Christina Plaka 

 © Christina Plaka

"Kimi he - Worte an Dich" ist bisher wirklich das allererste Buch, welches ich gelesen hab und nach Beendigung am gleichen Tag NOCH EINMAL gelesen habe. Es nahm mich gleich so gefangen, dass ich fast durch das Buch flog. Durch die wenigen Textzeilen ist man überraschend schnell fertig und doch wurde zum Ende hin der Kloß im Hals immer dicker. 

Nach Beendigung war ich so gefangen und ganz durcheinander, unruhig, unbefriedigt. Ich legte das Buch weg und wünschte mir, ich hätte die Autorin jetzt bei mir zu Hause. In mir drängte das Bedürfnis mit ihr zu sprechen.. gefühlte 10000 Fragen zu stellen. Es ließ mich auch nach wenigen Stunden noch immer nicht los. Gedanklich war ich noch immer bei Christina und Kimi he in Kyoto und so nahm ich das Buch erneut in die Hand, um es diesmal richtig zu genießen, jede einzelne der vielen wunderbaren Zeichnung aufzusaugen, die gar nicht mehr Beschreibungen und Texte benötigen, da sie einfach schon so viel ausdrücken.

Es ist so ganz anders, als ich erwartet hätte. Wer eine typische Liebesgeschichte sucht, ist hier falsch. Wer Action braucht ebenso. Gerade die Tatsache, dass die Geschichte autobiographisch ist, macht es zu was wirklich besonderem. Ich fühlte mich beim Lesen der Autorin unglaublich nah und doch hatte ich manchmal das Gefühl, ich lese etwas Verbotenes. Etwas viel zu Intimes, wie ein Voyeur. 

Die Zeichnungen sind ebenso wie die Story sehr gefühlvoll und detailliert. Es ist wundervoll, was für Emotionen sie mit Skizzen ausdrücken kann. 

Das Ende jedoch ließ mich mit offenem Mund zurück. Es ist passend und gerade Geschichten, die von der Realität geschrieben wurden, enden nun einmal nicht immer wie erwartet oder geben einem alle Antworten. 

Am Ende hatte ich so sehr den Wunsch, mich SOFORT mit der Autorin zu treffen. Ich will mehr wissen! 
Ich möchte... sie in den Arm nehmen und drücken. 
Ich möchte... ihr für den wundervollen und auch traurigen intimen Einblick in ihr Leben danken. 
Ich möchte... sie fragen, wie es ihr heute geht. 
Ich möchte... dieses wundervolle Buch allen ans Herz legen, die eine ruhige und zarte Geschichte suchen, gespickt voller Emotionen. 

Mich konnte das Buch erreichen und berühren. Vielleicht, weil ich viele ihrer Gefühle so gut nachempfinden konnte. Es hat mich noch immer nicht losgelassen und wird es vielleicht auch längere Zeit nicht tun. Für mich keins der Bücher, dass man schnell vergisst. 

Fazit: Absolut bewegend und einmalig. 

Bewertung:

Über die Autorin:

Christina Plaka (* 1983 in Offenbach am Main, Hessen) ist eine deutsche Manga-Zeichnerin.
Sie begann schon als 11-jährige, Figuren aus japanischen Animationsserien nachzuzeichnen. Ihre Liebe zu Japan und Manga war, laut Plaka, auch ausschlaggebend für die Wahl ihres Studienfaches Japanologie.
1997 hatte sie erste Ideen und machte Entwürfe zu ihrer, bis jetzt, unveröffentlichten Serie Hiro no Destiny, 2001 kam ihr die Idee zur Daisuki-Erfolgsserie Prussian Blue und 2002 gewann sie beim Zeichenwettbewerb der Leipziger Buchmesse mit ihrer Kurzgeschichte Vampire 1776 den 2. Preis in ihrer Kategorie.
Seit 2005 erscheint beim Tokyopop-Verlag die Fortsetzung von Prussian Blue, Yonen Buzz.
Foto © Christina Plaka



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