Dienstag, 30. April 2013

Rezension ~ "Ich blogg dich weg!" von Agnes Hammer

Verlag: Loewe Verlag
Seiten: 160
ISBN: 3785577060
Originaltitel: -
Buchreihe: Nein
Erscheinungsdatum März 2013
Bewertung: 4 von 5 Punkte
Julie ist schön, beliebt und kann wundervoll singen. Zusammen mit ihrer Band will sie am Schulfest auftreten. Doch wie aus dem Nichts erhält Julie gemeine E-Mails, Beschimpfungen, Drohungen. Dann taucht im Internet ein gefaktes Facebook-Profil auf, das Julie als arrogante Zicke darstellt. Im Nu lästern Klassenkameraden und wildfremde User online über sie. Julie verzweifelt. Wer tut ihr das an? Als sie auch noch die Band verlassen soll und die Drohungen in Gewalt umschlagen, eskaliert die Situation.


Der erste Satz
Nacht, Wald und alles ist dunkel.

Zur Leseprobe: HIER KLICKEN


Das Cover:

Schlicht und einfach. Fast wirkt das Gelb zu fröhlich, für ein eigentlich so düsteres Thema.

Worum es geht:
Die Welt der jungen Julie gerät von einem auf den nächsten Tag aus den Angeln. Eigentlich ist sie hübsch, beliebt und mit einer tollen Stimme gesegnet. Doch auf einmal erhält sie beleidigende anonyme E-Mails und ein Fake-Profil mit freizügigen Bildern von ihr taucht auf. Viele wenden sich gegen sie und immer mehr häufen sich die Beleidigungen. Wer steckt hinter dieser Hetzkampagne?

Meine Meinung:

Wir leben definitiv im Online-Zeitalter. Fast jeder ist irgendwo in einer Social Community angemeldet und irgendwie vernetzt. Das hat in der Tat viele Vorteile - so kann man sich z.B. häufiger mit entfernten Verwandten austauschen und Fotos zeigen, was per Telefon nicht möglich ist. 
Es hat aber nicht nur Vorteile. Wir leben nämlich auch in dem Zeitalter des "Shitstorms".

„Shitstorm“ ist der Anglizismus des Jahres 2011. Für das vor allem im Internet gebräuchliche Wort gibt es keine passende deutsche Übersetzung, doch so ziemlich jeder kennt dieses Wort. In der Schweiz landete dies Wort sogar auf Platz 6 als "Wort des Jahres". Traurig, wenn man sieht, was hinter dem Wort steckt:



Der Duden definiert einen Shitstorm als „Sturm der Entrüstung in einem Kommunikationsmedium des Internets, der zum Teil mit beleidigenden Äußerungen einhergeht“. Der Begriff Shitstorm bezieht sich vor allem auf „Blogbeiträge oder -kommentare,Twitternachrichten oder Facebook-Meldungen (Quelle: Wikipedia)

Und noch ein Wort wurde noch gebräuchlicher und häufiger in den letzten Jahren: Mobbing.

Mobbing bedeutet, andere Menschen ständig bzw. wiederholt und regelmäßig zu schikanieren, zu quälen und seelisch zu verletzen, beispielsweise Mobbing in der Schule, am Arbeitsplatz, im Sportverein, im Altersheim, im Gefängnis und im Internet (Cyber-Mobbing). (Quelle: Wikipedia)

Es ist nicht lange her, da machte die traurige Meldung der gerade mal 17 Jährigen 

Rehtaeh aus Kananda die Runde: Sie wurde so schlimm gemobbt, dass sie nur noch Selbstmord als Ausweg sah.

So weit kann es leider gehen. 

Auch wenn das Buch "Ich blogg Dich weg" von Agnes Hammer Gott sei Dank nicht so weit geht, zeigt es doch sehr prägend, wie schlimm Mobbing sein und welche Folgen es haben kann.

Zielgruppe des Buches ist mit 12-15 angegeben, ich denke aber, man sollte nach oben hin die Grenze offen lassen, denn auch manche Erwachsene benehmen sich nicht immer unbedingt reif und ich war schon manches Mal geschockt, was ich so aus der Feder eines Erwachsenen auf Facebook lesen durfte. Denen würde ich dann gern mal gleich dies Buch in die Hand drücken.

Leider wird man sicher noch viele Jahre über dies Buch sagen können: Es greift ein aktuelles Thema auf. 

Was mir gefiel:
Das Buch lässt einen über sich selbst nachdenken. Ich bin sicher, auch ich habe mich schon ohne nachzudenken einem Online-Shitstorm angeschlossen. Ohne darüber nachzudenken, dass eine lebende Person mit Gefühlen auf der anderen Seiten der Datenleitung sitzt und auch meinen gehässigen Kommentar liest, der vielleicht noch der Tropfen auf dem heißen Stein ist. Das Buch zeigt perfekt die Beeinflussbarkeit die Menschen auf und wie sie nach Skandalen lechzen. Als nämlich das Fake-Profil von Julie online geht, will nämlich niemand die andere Seite sehen. Sofort wird ohne Hinterfragen geglaubt, was man sieht und der "Shitstorm" bricht los. Kaum einer macht sie die Mühe, die Sache erst einmal in Frage zu stellen - die Richtigkeit zu überprüfen. Es wird blind angenommen das Profil wäre echt und sofort darauf los gemobbt. Ein Umstand, der viel häufiger vorkommt, als man vermuten mag. So tat mir Julie einfach nur leid. Zum Teil konnte ich verstehen, dass sie vor Schreck so gelähmt ist, dass sie sich eigentlich nie recht wehrt, auf der anderen Seite konnte ich es nicht nachvollziehen. Das Buch soll auch hier wecken: 
Wenn DU gemobbt wirst, stehe es nicht alleine durch! Verkrieche Dich nicht. Weihe Deine Familie ein, enge Freunde, nimm Hilfe an! 

Was mir nicht gefiel:
Für mich hätte die Story noch etwas weiter ausholen dürfen. Die Charakter hätten tiefer gehen können. Die weibliche Hauptprotagonistin ist nicht sonderlich sympathisch gestaltet. Sie passt aber auch nicht in die typische Opferrolle - was wiederum zeigt: Jeden kann es treffen!

Insgesamt wirkt das Buch recht "zusammengefasst", was es aber wieder ideal zu einer Schullektüre macht. Vermutlich hätten Teenies keine Lust auf ein 400 Seiten Buch zum Thema Mobbing und würden es nicht lesen. Auf 160 Seiten wird ihnen daher in Kürze die Augen geöffnet. Als Leseratte sind mir die 160 Seiten aber zu wenig, hab ich zu wenig über die einzelnen Personen erfahren und so ging mir persönlich das Schicksal des jungen Mädchens nicht ganz soooo nahe. Mir war schnell klar, wer hinter der Mobbingattacke steckt. Wer jetzt eine wahnsinnig überraschende Story mit unvorhersehbaren Wendungen erwartet, ist mit "Ich blogg dich weg!" schlecht bedient. Aber ich denke auch nicht, dass Agnes Hammer einen Bestseller-Thriller schreiben wollte, es soll eher ein Aufweckruf sein, eine schriftliche Bitte: 
Leute, nur weil man Online vielleicht anonymer ist, denkt trotzdem über Eure Worte nach. Sie können genauso verletzen, wie Worte, die einem direkt ins Gesicht gesagt werden.

Fazit: 
Ein bewegendes Buch, dass wirklich jeder gelesen haben sollte. Man fühlt sich gerade in der digitalen Welt so anonym und geschützt und schreibt viel unbedachter mal etwas, ohne über die Folgen nachzudenken. Der Preis macht dies Buch umso attraktiver; Der Schreibstil ist flüssig und ermöglicht ein flinkes durchlesen der 160 Seiten.
Die Story öffnet Augen und lässt einen definitiv auch über sein eigenes Verhalten nachdenken. 

(Natürlich passiert dies nicht nur in der Online-Welt. Mobbing kann auch außerhalb des Internets statt finden und schlimme Folgen haben. Wer dazu einen Roman sucht, dem empfehle ich: "Tote Mädchen lügen nicht" von Jay Asher)

Bewertung:


Über die Autorin:
Agnes Hammer wurde 1970 geboren. Geschrieben hat sie eigentlich schon immer, jedenfalls kann sie sich noch genau an den karierten Block erinnern, auf den sie mit acht Jahren ihre erste Geschichte schrieb. Nach dem Abitur studierte sie Germanistik und Philosophie in Köln. Seit 1998 arbeitet sie in Düsseldorf mit sozial benachteiligten Jugendlichen in einem großen Berufsbildungszentrum. Sie ist seit 2005 Anti-Aggressivitäts-Trainerin. Für ihren Roman "Herz, klopf!" wurde sie 2010 mit dem Kranichsteiner Literaturstipendium ausgezeichnet. Darüber hinaus ist sie Preisträgerin des Kurd-Laßwitz-Stipendiums 2011 und Stipendiatin des Landes Nordrhein-Westfalen.



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Kommentare:

  1. Hey, Nica (:
    Ich hab mal eine Frage an dich!
    Also ich suche echt seit Wochen schon nach einem Bewertungssymbol, da ich auch einen Bücher-Blog machen möchte. Jedoch bin ich bis jetzt noch nicht fündig geworden und da ich gerade auf deinen Blog gestoßen bin und gesehen habe, dass du ein Bewertungssymbol hast, wollte ich fragen, ob du mir vielleicht weiterhelfen kannst? Verrätst du mir, wo du das gefunden hast oder mit welchem Programm du es erstellt hast? Und wie man es anwendet? :b
    Tut mir leid, wenn ich nerve ^^ ♥
    Liebe Grüße und danke schon im Vorraus <3

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    1. Hallo Selina :)
      Tolles Profilbild!! :)

      Das Bewertungssymbol ist einfach eine Graphik aus meinem Hintergrund. Ich hab den Schmetterling genommen und 5 mal nebeneinander gesetzt. Dann muss man einen Schmetterling pro Bild jeweils abändern.. Schwarz/weiß machen oder die Deckkraft runter setzen. Also Du brauchst ein Bildchen und ein Bildbearbeitungsprogramm. Ich nutze Photoshop.
      Und hab mir also 6 Bilder abgespeichert (Punkte 1-5 + Goldstatus) und füge einfach dann immer das Bild ein, mit der entsprechenden Bewertung. :)
      LG,
      Nica

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