Dienstag, 24. Januar 2012

[Rezension] "Wie ein Flügelschlag" von Jutta Wilke

Verlag: Coppenrath
Seiten: 282
ISBN: 364960566X
Originaltitel: Wie ein Flügelschlag
Buchreihe: Nein
Erscheinungsdatum Januar 2012
Bewertung: 5 von 5 Punkte
Ein Stipendium an einem der renommiertesten Sportinternate! Für die sechzehnjährige Jana geht damit ein großer Traum in Erfüllung. Bis sie eines Tages ihre Freundin Melanie leblos im Schwimmbecken findet und sich alles in einen Albtraum verwandelt. Jana will nicht glauben, dass Mel an plötzlichem Herzversagen gestorben ist. Aber egal, an wen sie sich wendet, überall stößt sie auf eine Mauer des Schweigens. Schließlich versucht sie, auf eigene Faust herauszufinden, was hinter den Machenschaften im Internat steckt, und kommt zusammen mit Mels Bruder Mika der schrecklichen Wahrheit auf die Spur ...


Der erste Satz
Ich war fünf, als ich fliegen lernte.

Zur Leseprobe: HIER KLICKEN

Das Cover:
Also bitte.. muss ich dazu wirklich noch irgendwas sagen?!?! :) 
Schmetterlinge passen übrigens auch zum Inhalt, insofern ist das Cover auch passend gewählt.

Meine Meinung:

Melanie Wieland ist tot. Und ich – 

habe sie umgebracht.

Allein dieser Satz am Ende des ersten Kapitels (siehe Leseprobe oben) sorgte schon dafür, dass das Buch mich hatte. Wenn das erste Kapitel einen dazu bringt, dass man UNBEDINGT wissen muss, wie das gemeint ist.. wieso weshalb warum.. und man ein riesiges Fragezeichen im Gesicht hat, dann hat die Autorin einfach etwas Richtig gemacht.

Aber offen gestanden: Ich war die ganze Zeit stinkwütend!
Nicht auf die Autorin ;) Jana Schwarzer ist eine junge Schülerin, die durch Ihr Talent beim Schwimmen ein Stipendium erhalten hat. Das ist aber so ziemlich das einzig Positive, was man über ihr Leben sagen kann. 
Sie muss so unglaublich viele Ungerechtigkeiten durchstehen... sei es im Internat, in dem sie kaum akzeptiert wird oder zu Hause an den Wochenenden mit einer trinkenden Mutter, die alle Männer verflucht.

Bei einem Buch, bei dem mir die Hauptfigur unsympathisch ist, stören mich Ungerechtigkeiten weniger. Aber bei "Wie ein Flügelschlag" hatte ich permanent das Bedürfnis, Janas Freundin zu werden, um sie zu verteidigen - etwas, dass sie selbst viel zu wenig tut. 
Manchmal hätte ich sie gerne geschüttelt und sie angeschrien: Wehr Dich doch mal!
Beim Lesen war ich einfach sauer auf die Mutter, die Mitschüler, den Trainer, die beste Freundin und ja.. auch manchmal auf Jana. 

Es ist schwierig etwas über den Inhalt zu schreiben, ohne zuviel zu verraten. 
Juttas Schreibstil ist für das Zielpublikum von 12-16 absolut passend und verständlich. Es liest sich locker durch, wenn auch leider viel zu schnell (das Buch hätte gern dicker sein dürfen :)).
Aber auch ältere Leser werden ihre Freude an dem Buch haben und in die spannende Geschichte für ein paar Stunden eintauchen. 

Geschrieben in der Ich-Perspektive aus Sicht von Jana lernt man mir Ihr zusammen Mika kennen, der Bruder von Melanie. Eine zarte kleine Liebelei bändelt sich an, die hier aber auch mehr im Hintergrund agiert. Wer also Angst vor zuviel Schnulz hat.. keine Sorge. Dies Buch ist wirklich mehr ein Krimi!
Und was für einer.. man blickt kaum durch, was man von wem halten soll. Und wie sich das Ganze auflöst? Davon hatte ich einen Schimmer, lag aber doch zum Teil daneben ;)

Ich stehe ja sozusagen Namenspatin für Mika. Über ihn hätte ich gerne mehr erfahren. Über Jana und Melanie erfährt man sehr viel. Aber über Mika? Man weiß, er geht nicht auf die gleiche Schule, er ist Melanies jüngerer Bruder und noch ein paar Kleinigkeiten.. das sind etwas wenig Infos. Aber der Leser bekommt ein sehr gutes Gespür dafür, was für einen Charakter er hat und kann sich den süßen Typen mit den blonden lockigen Haaren und den Meeresaugen gut vorstellen. 
Dass ich gern viel mehr über Mika erfahren hätte, tut der Geschichte jedoch keinen Abbruch. Sie hat mich nicht weniger gut unterhalten deswegen, darum gebe ich dafür auch keinen Abzug. Auch andere Charaktere bleiben recht oberflächlich, was in diesem Fall jedoch sehr gewollt ist und dafür sorgt, dass man nicht gleich am Anfang eine Ahnung hat, wie das Buch wohl enden wird.

Ganz großartig finde ich auf jeden Fall die kleinen Zwischenparts: Ab und an kommt ein kurzer Text zwischen den Kapiteln aus der Sicht einer unbekannten Person. Man bekommt einen Einblick in die Gedanken dieser und erfährt, dass da irgendwer alle genau beobachtet und die Fäden zieht.

Insgesamt hat Jutta Wilke hier eine wirklich interessante und spannende Geschichte geschaffen mit einem Hintergrund, der für mich jetzt mal komplett neu war. Ich kann mich zumindest nicht erinnern, je ein Buch über Leistungssportler und das Thema Doping & Co. gelesen zu haben. Gesucht wird ein Kriminalroman bei dem man bis fast zum Ende noch grübelt? Hier ist er.

I like !!! 

Bewertung:
Über die Autorin:
Jutta Wilke, geb. 1963, hat erst viele Jahre als Rechtsanwältin gearbeitet, bevor sie mit dem Schreiben von Kinder- und Jugendbüchern anfing.   Ihre Geschichten schreibt sie am liebsten am Küchentisch in einem gemütlichen Haus in Hanau am Main, wo sie mit ihrem Mann und fünf Kindern lebt und arbeitet.


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Kommentare:

  1. Sehr schöne Rezi und es ist doch wirklich was besonderes, dass du die Namenspatin von "Mika" bist :). Ich würde mich sicher wahnsinnig freuen und könnte es schier nicht fassen :).

    Aber da es wohl eher ein Krimi ist, ist es nicht mein Genre, aber schön, dass du auf deine vollen Kosten gekommen bist!

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    1. Ich kann Dir wirklich nur sehr sehr sehr die Leseprobe oben ans Herz legen. Wenn Du dann noch immer das Gefühl hast, es ist nicht dein Genre, okay. Die ist wirklich recht lang und gibt einem schon das richtige Gefühl :)

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  2. Ich werde es mal lesen und schauen :). Wo die Autorin doch auch aus Hessen kommt, wärs nochma schöner *g*

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  3. Ich bin selbst Leistungsschwimmerinund kann alles von Jana völlig nachvollziehen ich konnte mich richtig in ihre Situation hinein versetzten z.b. wie sie sich im Wasser gefühlt hat oder ihren Ergeiz oder ich hab auch richtig gespürt diese harten worte des Trainers! Ein paar Textstellen haben mich so angesprochen das sie mir im Training die ganze zeit durch den Kopf gegangen sind und ich hab mich genau so frei im wasser gefühlt wie sie...Ich konnte fliegen!

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