Montag, 9. Januar 2012

[Rezension] "Das Mädchen mit den gläsernen Füßen" von Ali Shaw

Verlag: Script5
Seiten: 400
ISBN: 3839001315
Originaltitel: The girl with glass feet
Buchreihe: Nein
Erscheinungsdatum Januar 2012
Bewertung: 4 von 5 Punkte
Seltsame Dinge gehen auf St. Hauda´s Land vor: Eigentümliche geflügelte Kreaturen schwirren umher, in schneebedeckten Wäldern versteckt sich ein Tier, das mit seinem Blick alles in Weiß verwandelt, im Meer sind wundersame Feuerwerke zu beobachten … und Ida Maclaird verwandelt sich langsam, von den Füßen aufwärts, zu Glas. Nun kehrt sie an den Ort zurück, wo alles begann, in der Hoffnung, hier Hilfe zu finden. Doch stattdessen findet sie die große Liebe: Mit ihrer traurigen und trotzigen Art schafft Ida es, die Knoten in Midas’ Herzen zu lösen. Gemeinsam versuchen sie nun, das Glas aufzuhalten.

Der erste Satz

In jenem Winter berichteten die Zeitungen über einen Eisberg von der Größe einer
Galeone, der voll knirschender Erhabenheit an den Klippen von St. Hauda’s Land vorbeitrieb,
über ein Wildschwein, das verirrte Wanderer aus dem Felsenlabyrinth unterhalb
des Lomdendol Tor herausführte, über einen verblüfften Ornithologen, der in einem
Schwarm von zweihundert Krähen fünf Albinos gezählt hatte.


Zur Leseprobe: HIER KLICKEN

Das Cover:
Hardcover mit Spotlack, Schutzumschlag und Leseband. Silberschnitt.

Das ganze Buch ist unumstritten eines der Schönsten ever!! Ob es nun dieser traumhafte Silberschnitt ist oder einfach das Coverbild an sich, dass meinen Geschmack zu 100% trifft. Ich finde es wunderwunderschön und müsste ich eine Top10 der schönsten Bücher wählen, wäre dies gaaanz weit oben auf den ersten Plätzen (vermutlich sogar auf Platz 1).

Meine Meinung:

Dies Buch hat dafür gesorgt, dass ich gestern Abend tief ein und ausatmen musste, 
um neben meinem Verlobten nicht loszuflennen, 
denn die Tränen schossen mir fast im Sekundentakt in die Augen.

Ich habe für meine Verhältnisse extrem lange für dies Buch benötigt. Zum einen, weil ich leichte Startschwierigkeiten mit dem Buch hatte. Es vermittelt eine ganz eigene und irgendwie seltsame Stimmung, in die ich mich erst einfühlen musste. Zum anderen, da dieser Schreibstil so anders und besonders ist, dass es mir nicht möglich war, dies Buch in meiner gewohnten Geschwindigkeit zu lesen.
Diese Schreibweise sollte man wirklich langsam genießen und jeden Satz bewusst wahr nehmen, um den ganzen Zauber des Buches zu erfassen.

Auch wenn die Geschichte so die eine oder andere Szene hat, die mich schmunzeln lies oder wo sich mein Gesicht verzückt verzog (zum Beispiel züchtet einer der Figuren recht wundersame Wesen von denen ich nun nicht verraten möchte, worum es sich handelt. Diese waren aber so niedlich beschrieben, dass man wünschte, es wären nicht nur Fantasiegestalten), so ist die Allgemeinstimmung doch leicht bedrücken und die ganze Geschichte sehr ruhig.

So ruhig wie auch die Liebesgeschichte zwischen Midas und Ida.
Man muss schon genau lesen, um die Liebe zwischen den Beiden zu erkennen, da vor allem Midas ein sehr schüchternen, zurückhaltender und extrem introvertierter Mensch ist. Unfähig Gefühle zu zeigen oder Menschen zu berühren, sieht er seine Welt nur durch seinen größten Schatz - seine Kamera.
Dabei verachtet er sich fast selbst dafür, dass er so unfähig ist Gefühle zu zeigen, denn genau so war auch sein Vater und diesen hat Midas dafür gehasst.

Umso gefühlvoller ist Ida, die sich sofort von den seltsamen Midas angezogen fühlt. Man bekommt ein gutes Bild davon, wie Ida früher gewesen war ... bevor sie anfing sich im wörtlichen Sinne in Glas zu verwandeln.
Es dauert lange, bis auch Midas erste kleine Fortschritte in seinem Verhalten zeigt und so wird er zum wichtigsten Menschen für Ida, der ihr bei der Suche nach Heilung hilft.

Das Buch überrascht mit einigen Sprüngen durch die Leben verschiedener Figuren. Man erfährt nach und nach, was Midas Vater getan hat und wieso er so gefühllos war, was aus seiner Mutter geworden ist, wieso der Einsiedler Henry Fulwa die eine Begegnung mit Ida vor Jahren nicht vergessen konnte, was mit Idas Mutter geschah. Dabei gibt es viele zeitliche Sprünge, so dass der Leser per Rückblenden immer mehr Hintergründe erfährt.

Die Insel scheint sehr sonderbar zu sein und so hat Ali Shaw auch ein paar seltsame Wesen erschaffen, deren Bedeutung die ganze Zeit wichtig zu sein scheinen
Sehr frustriert war ich dann am Ende, als das letzte Wort gelesen war, ich jedoch mit vielen Fragen zurückblieb.

Das Ende ist für mich nachvollziehbar und passt meiner Meinung nach sehr gut... wie es ausgeht, möchte ich natürlich nicht verraten. Es ist also nicht der Ausgang der Geschichte, der mich am Ende doch etwas unglücklich hinterließ, denn mit dem Ende konnte ich leben. Es waren eher die vielen offenen Fragen.. die Wieso-Fragen, die mich noch quälen. Um komplett glücklich mit einem Buch zu sein, darf es mich nicht so völlig ruhelos zurücklassen - es sei denn, es ist eine Serie und ich weiß, ich erfahre bald, wie es weitergeht.

Ali Shaw zaubert eine wundervolle Geschichte auf einer seltsamen Insel, die durch ihre Natur was ganz besonderes ist. Aber gerade weil er diese Figuren so besonders gestaltet hat, gerade weil der Schreibstil die Insel so wunderbar fantasievoll und doch real erscheinen lässt, kann ich nicht verstehen, dass diese Figuren am Ende so gar keine Rolle gespielt haben, nicht irgendwie zur Auflösung beitrugen.

Wenn in einem Buch die ganze Zeit ein wundersames Wesen auftaucht und immer wieder erwähnt wird, auf einer Insel auf der wundersame Dinge geschehen, dann denke ich einfach, dass dieses Wesen irgendwie damit zu tun hat... es aber auf einmal gar nicht mehr zu erwähnen, machte für mich nicht so viel Sinn, außer Ali Shaw wollte damit nur weiter erklären, wie seltsam diese Insel ist, was er aber auch so erreicht hat.

Dieses Gefühl von zu vielen offene Fragen brachte für mich einen dicken Punktabzug einer sonst wirklich wundervollen und gefühlvollen Geschichte. Schnulz, Kitsch und eine mitreissende Liebesgeschichte sucht man hier vergebens. Dafür wird man von einer sehr ruhigen und traurigen Geschichte gepackt.
Der Schmachtfaktor war bei mir auf einer Skala von 1-10 eher auf 1, da Midas nun wirklich ein seltsamer Kauz ist. Ich hatte auch Probleme mit ich Ida hineinzufühlen. Wenn mein Körper langsam zu Glas wird, würde ich zumindest einen kompletten Nervenzusammenbruch bekommen und nicht so souverän damit umgehen.. wer kann denn so stark sein?

Dennoch, wer sich dies Buch kauft, hält damit eine ganz besondere Geschichte in den Händen, dass einem auch nach der Beendigung nicht ganz loslässt und das einem viel mitzuteilen hat, denn wer genau liest, wird auch die "Moral von der Geschicht" erkennen.

Traumhaft und doch bedrückend. Seltsam und berührend. 

Bewertung:

Buchtrailer

Über den Autor:

Ali Shaw wurde 1982 geboren und wuchs in einer kleinen Stadt in Dorset, Großbritannien, auf. Nach seinem Abschluss in Englischer Literatur an der Universität von Lancaster arbeitete er als Buchhändler und in einer Bibliothek in Oxford. Sein Debüt Das Mädchen mit den gläsernen Füßen war ein großer Überraschungserfolg und wurde in 18 Sprachen übersetzt. Gerade hat Ali Shaw seinen zweiten Roman beendet.


Hier kaufen:


Kommentare:

  1. Du sprichst mir aus der Seele. Das Buch ist soooo schön geschrieben, teilweise habe ich mich aber auch ein bisschen gelangweilt, da der Autor mir ein wenig zu viel beschrieben hat.
    Aber im Großen und Ganzen ein echt tolles Buch! :)
    Lieben Gruß,
    Jessica

    AntwortenLöschen
  2. Wow, das klingt da echt super. :)
    Eine gefühlvolle Rezi. ;D

    Und ein schöner Blog (bin jetzt Leserin), hab auch einen sehr neuen^^, kannst ja mal bei mir vorbeischauen, wenn du magst. :)

    http://goood-reading.blogspot.com/

    Viele, liebe Grüße. :)
    Liss ♥

    AntwortenLöschen
  3. Nica, dass ist eine der besten Rezis, die du bisher geschrieben hast. Sehr aussagekräftig, das mag ich. Übrigens ging es mir mit den seltsamen Wesen ähnlich. Ich denke, dass sie zur Sonderbarkeit der Geschichte beitragen sollten. Mehr nicht. Einen Zusammenhang oder Metapher zu den Hauptpersonen kann ich von ihnen nicht ableiten.
    Drück,
    Damaris

    AntwortenLöschen
  4. Eine tolle Rezi, die mir sehr gut gefällt, auch wenn mich das Buch grad zu Tode langweilt und ich so gar nicht Deiner Meinung bin.

    Das einzig wirklich niedliche sind die von Dir angedeuteten winzigen Wesen die gezüchtet werden .. das gefiel mir auch :)

    AntwortenLöschen
  5. @Jessi
    Ja, nicht wahr? Ich war zum Teil echt hin und her gerissen und ich finde schon, man merkt doch, dass es ein Mann geschrieben hat.. toller Schreibstil, aber die Liebesgeschichte ist etwas.. nüchtern...

    AntwortenLöschen
  6. @LissDanke für das Kompliment und willkommen in der Bloggerwelt :D Ich werde mal vorbeischauen :)
    lg
    Nica

    AntwortenLöschen
  7. @DamarisKomisch, immer die Rezensionen, bei denen ich halb verzweifle nach dem Abschicken, weil ich das Gefühl hab, ich hab mir echt Müll zusammengeschrieben und war wieder unfähig auszudrücken, was ich empfunden hab, grad für die krieg ich immer Komplimente *lol* :)

    Ich fand das mit dem weißen Wesen echt seltsam.. auch ohne das, wäre die Sonderbarkeit der Insel rübergekommen, finde ich, schon allein wegen Henrys Tieren und der Tatsache mit dem Glas. So wirkte es immer, als wäre es total wichtig.. seltsam...

    AntwortenLöschen
  8. @FabellaBist Du noch auf so Seite 80-90?? Bis dahin hatte ich auch echt Schwierigkeiten und war schon ein wenig enttäuscht. Es wird aber noch besser... leg Dir schon mal Taschentücher parat ;)

    AntwortenLöschen

Ich freue mich wirklich sehr über Kommentare. Vielen Dank! <3