Dienstag, 6. September 2011

[Rezension] "Schluss mit lustig" von Gabriella Engelmann

Verlag rororo

Seiten 240
ISBN 3499215764
Buchreihe? Nein
Bewertung

Kurzfassung lt. Amazon
ICH bin keine Pessimistin, sondern Realistin! Das ist ein enormer Unterschied. Ich würde mich eher als kritisch, vorsichtig und damit insgesamt äußerst klug bezeichnen. Außerdem hat man als Optimist keine Ahnung von den freudigen Überraschungen, die das Leben bereithält.» – So Julys unumstößliche Meinung. Bis ein Schlag auf den Kopf eines Tages alles verändert … «Ist das Glas halb leer oder halb voll? Was steht mir besser: rosa Brille oder Leidensmiene? Gabriella Engelmann spielt mit der Frage, welche Lebenseinstellung glücklich macht.

Der erste Satz
Mit dem Optimismus ist das so eine Sache: Er ist einfach nichts für Pessimisten.
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Das Cover:
Ein sehr sehr farbenfrohes Cover, passend zur neuen Laune von July.
Ich mag grün und rosa und daher gefällt mir auch dieser bissl Retro-Style. Auch wenn ich die Story jetzt nicht so mit dem Cover verbinden würde.

Meine Meinung:
Ein Buch, dass mich schon auf der ersten Seite zum Lachen bringt, kann nur gut sein.
Ich habe bereits ein wenig mit Gabriella Engelmann auf Facebook geschrieben und einen lustigen, lockeren Schreibstil in dem Buch erwartet - und bekommen.

Besser als das. Dadurch, dass manche Sätze auch so in meinem Sprachgebrauch vorkommen oder in den meiner Freundinnen, hatte ich die ganze Zeit beim Lesen das Gefühl, ich würde July kennen oder als wenn eine Freundin mir ihre Geschichte erzählt.

Beispiel: 
Meine dunklen Locken sehen aus, als ob jemand aus Wollresten ein Käppi stricken wollte, und ein Pickel wohnt auf meiner Nase und scheint sich dort ziemlich wohlzufühlen.
Schön geht irgendwie anders!

Allein schon durch das "Schön geht irgendwie anders", ja, da hatte ich sofort eine Freundin vor Augen. 

Und so fühlte ich mich einfach schon durch den lustigen lockeren Schreibstil so wohl mit dem Buch und musste trotz - oder vielleicht gerade wegen - Julys Pessimismus öfters lachen. 

Man erkennt sich in einigen Szenen auch ständig wieder. Zum Beispiel stellt die Freundin von July das Nutella-Glas in den Kühlschrank. Was würdet ihr machen? 
Ich, ganz klar: Sobald die Freundin weg ist, würde ich das Nutella Glas da rausnehmen. Hat für mich nichts im Kühlschrank verloren, wird doch steinhart. Und genau das tut July auch.

Zum lockeren Schreibstil kommt also noch eine absolut symphatische Protagonistin hinzu, mit der ich mich auch gleich - erschreckenderweise - identifizieren konnte. (Ich würde auch sagen, ich bin Realistin, keine Pessimisten) ;))

July ist also eine Pessimistin wie sie im Buche stehen und lebt mit ihrer besten Freundin - eine absolute Frohnatur - in einer WG auf der Reeperbahn. Sie sieht alles realistisch, d.h. negativ und geht lieber immer vom Schlimmsten aus. Das aber der fiese Flaschenattentäter genau bei ihr zuschlägt, das hätte selbst sie nicht erwartet.

Kurz dachte ich, welch seltsame Idee. In dem Buch fährt ein Unbekannter auf einem Fahrrad rum und haut unschuldige Passanten eines mit ner Flasche über den Kopf.
Ich hielt das für - naja.. bis ich gestern im Radio hörte, dass ein Taxi-Fahrer eine 32 jährige Passantin schlug und sie im Kofferraum entführte, wo sie nach 6 Stunden befreit wurde. In Hamburg kann man was erleben .. puh. Also würde ich sagen, July erlebt eine durchaus realistische Geschichte. Ihr wird mit der Flasche eines über die Rübe gehauen und sie erwacht im Krankenhaus.

Von da an, sieht sie alles Positiv. Die Wandfarben findet sie gar nicht mehr so gruselig. Dass die Firma aufgekauft wurde und sie vielleicht gekündigt wird, die Vorstellung ist nicht mehr schlimm... Und wieso hatte sie eigentlich mit ihrem Freund Schluss gemacht, der sah doch ganz gut aus?

Auf einmal gerät July von einem Abenteuer in das Nächste und lernt einen Mann nach dem Nächsten kennen.

Ein Mini-Problem hatte ich damit, dass in dem Buch alle schon so ihre Berufung haben. Sie lernt einen tollen Arzt kennen, sie selbst ist journalistisch tätig und schreibt u.a. Rezensionen für einen Verlag. Ich hatte immer das Gefühl, ich lese von Personen so Mitte/Ende Zwanzig. Schließlich hatte sie ja auch die letzte Beziehung schon in Frage gestellt und ihre beste Freundin denkt eigentlich über Hochzeit nach, da sie mit ihrem Freund auch bereits 2,5 Jahre zusammen ist.
Aber July ist erst 18 Jahre alt. Was auch wieder erklärt, dass sie dann doch mit recht vielen Typen rumknutscht ;) Mit 18 hab ich das auch noch getan.. ;) (naja... mit 29 auch noch *hust*).

Trotzdem wollte das in meinem Kopf nicht 100% zusammenpassen.... July war für mich beim Lesen gefühlt älter... wisst ihr was ich meine? Und was ihr Herz ihr später mal sagt, war dem Leser sicherlich auch schon recht früh klar.

Das Buch macht aber dennoch einfach Spaß! July kommt auf aberwitzige Ideen, ihren Gemütszustand wieder in den alten zu versetzten. Die Story regt auch ein wenig dazu an, dass man dann auch über seine eigene Meinung nachdenkt. Sich fragt, wie würde mein Leben wohl verlaufen, wenn ich wohl etwas optimistischer/pessimistischer wäre?!?!

Jeder wird beim Lesen ein wenig July in sich selbst entdecken,.. ob nun während ihrer optimistischen oder pessimistischen Phase.

Die Geschichte unterhält einem sehr gut bei solch typisch Hamburger Wetter, wie wir es haben und ich kann es ruhigen Gewissens weiter empfehlen, nicht nur an Hamburger, die die Geschichte besonders für die vielen schönen Orte lieben werden, die erwähnt werden wie z.b. die Strandperle.

(Fast) volle Punktzahl für eine humorvolle Geschichte - an schönen Orten mit interessanten und symphatischen Charakteren - die aber auch ein wenig Tiefgang hat und einen doch mal in sich hineinhorchen lässt: Ist mein Glas halb voll oder halb leer?
Ich freue mich auf das nächste Buch der Autorin! :)

Bewertung:
Über den/die Autor/in:
Gabriella Engelmann, geboren in München, ist gelernte Buchhändlerin. Nach einigen Jahren als Verlagsleiterin eines Kinderbuchverlages, spezialisiert auf Kinderbücher von Promis, arbeitet sie heute freiberuflich als Literaturscout und Autorin. Gabriella Engelmann lebt und arbeitet in Hamburg.

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