Montag, 6. Juni 2011

[Rezension] Tod in Neverland von Ronald Malfi

Verlag Otherworld

Seiten 509
ISBN 9783800095377
Buchreihe? Nein
Bewertung

Kurzfassung lt. Amazon
Kelly Rich, die sich vor langer Zeit von ihrer Familie abgewandt hat, ist gezwungen, nach Hause zurückzukehren, als ihre Schwester in einen mysteriösen Unfall verwickelt wird. Nachdem sie jahrelang die Ereignisse unterdrückt hat, die sie zur Flucht bewogen, muss sie das Geheimnis ihrer Vergangenheit lüften, um ihre Schwester zu retten. Aber in der unheimlichen Ortschaft Spires, ihrer einstigen Heimat, in der kalte Herzen herrschen und im Wald tödliche Geheimnisse lauern, ist nichts, wie es scheint. Kelly wird in die Traumwelt ihrer Kindheit gestürzt und muss sich ihrer Rolle in den Tragödien stellen, die ihre Familie heimsuchen ...

Der erste Satz
Zitternd rannte sie durch die Dunkelheit.
Meine Meinung
Manchmal bin ich froh, dass ich über ein Buch gar nicht so viel weiß, es aber lesen möchte, weil das bisschen, was ich über das Buch gelesen hab, so interessant klang..(manchmal find ich auch einfach nur das Cover toll ;)) .manchmal bin ich aber auch nicht so froh und denke mir, ah.. hättest du dich doch mal bei informiert...  bei diesem?? Hmm....gut, dass ich es gelesen hab :) 

Dies Buch entdeckte ich in dem wunderwunderschönen Katalog vom Otherworld Verlag, von dem ich schon berichtet hatte... dort stand keine Inhaltsangabe bei, aber mir gefiel das Cover.. so lila und doch so mysteriös.. und da es vom Otherworld Verlag kommt, dachte ich, es wäre so ein Mysterythriller... ein wenig wie Akte X...der Kurztext bei Amazon klang ebenfalls interessant :)
Gottseidank fing ich einfach mal an zu lesen, denn vielleicht hätte ich gezögert, hätte ich zuerst auf der Rückseite des Buches dies gelesen:

"Tod in Neverland ist ein düsteres Märchen, das Stephen King und die Gebrüder Grimm vor dunklem Vergnügen erschauern lassen würden" oder
"Tod in Neverland setzt neue Maßstäbe dafür, wie Horror geschrieben und wie Charaktere entwickelt werden sollten"

Wie ja schon mehrfach erwähnt bin ich eine totale Schisserin und ich würde sonst nie auf die Idee kommen mir ein Buch aus dem Horror-Genre zu kaufen. Auch die Horror-Kurzgeschichten, die mir kürzlich zugeschickt wurden, lese ich nur in kleinen Dosierungen, da sonst schlechte Träume in der Nacht vorprogrammiert sind.

Nicht ahnend worauf ich mich also einlasse, begann ich "Tod in Neverland" und lernte Kelly kennen... eine junge Frau, die drei Jahre ihres Lebens in einer Nervenheilanstalt verbracht hat und danach in die Stadt ging, um sich zu erholen und fortzulaufen ohne zu wissen, wovor... denn ihr Verstand wollte einfach nicht zulassen, dass sie sich erinnert. Erinnert, wieso sie im Alter von 15 Jahren zusammengebrochen ist und wieso ihre Eltern sie in den 3 Jahren niemals besucht haben.

Erst als sie sich nach vielen Jahren in der Großstadt eingelebt hat und dort Josh kennen lernt und mit ihm eine Dokumentation über Menschen plant, die schwere Schicksalsschläge hinter sich haben und darüber, wie sie ihr Leben meistern, beginnt ihre Vergangenheit sie einzuholen. Sie lernt die alte Dame Nellie kennen, die schon im Alter von 20 Jahren ihre Beine verloren hat. Nellie ist liebenswert, aber schon bald erkennt man, dass Nellie noch andere besondere Fähigkeiten hat...
So entpuppen sich die Digitalaufnahmen von Josh und Kelly später als kaputt, jedoch immer andere Stellen... seltsame Störungen, obwohl die Bänder okay sind.

Das Buch ist gleich sehr verwirrend.. ich habe zunächst absolut nichts kapiert! Vieles scheint einfach so erzählt zu werden.. überflüssiges Zeugs, dass man nicht versteht..Kinderverse die immer wiederholt werden... "Kellerella.."..."Lasst das Baby raus".....
Erst wer weiter in die Geschichte dringt, erkennt, dass das meiste in dem Buch doch irgendwie seinen Sinn hat... alle Fragen die man sich Anfangs stellt und nicht versteht, werden aufgelöst. Man muss also gleich sehr gut aufpassen, denn auch was unwichtig erscheinen könnte, ist später doch noch wichtig. Dennoch hatte das Buch einige Längen und Passagen, auf die ich hätte verzichten können und die nicht zur Auflösung oder Fortsetzung der Geschichte beitrugen. So spielt eine größere Rolle in dem Buch ein Arzt namens Carlos, der Nellie im Krankenhaus behandelt soll und von ihr eine schlimme Vorhersage erhält. Er selbst ist ein wichtiger und sympatischer Charakter in dem Buch, aber ab da an quält er sich wegen dieser Vorhersage, hat Albträume.. diese werden auch detailliert beschrieben.. sehr schön ;) .. oder erinnert sich an alte gruselige Anekdoten, die ihm als Kind erzählt wurden. 

Die Charaktere sind grandios...allen voran natürlich Nellie und Kelly. Eine toller Schreibstil, der es mir - manchmal leider - leicht gemacht hat, mir alles sehr bildlich vorstellen zu können. Bei manchem Passagen wurde mir schlecht ;) Was wieder ein Kompliment an den Autor ist, denn ich denke, es ist sein Ziel gewesen, dass man sich selbst auch gruselt...dass der Leser es schafft, komplett in die düstere Atmosphäre einzutauchen. 

Nichtsdestotrotz ist das Buch gleicher massen verwirrend als auch spannend und man versteht so vieles nicht und möchte es aber einfach verstehen. Man liest weiter, auch wenn man denkt, bääähhh... das mag ich nicht... man ist doch so gefesselt, dass man das Buch geradezu verschlingt und Erklärungen haben muss.
So treten immer wieder abgebrochene Plastikgabeln auf... Fenster und Türen öffnen und schließen sich von alleine... und Ronald Malfi schreibt es so düster, bedrückend und doch genial, dass man nur sagen kann: Verdammt, ich muss wissen, was es mit diesen Plastikgabeln auf sich hat.

Dies Buch gilt als Mysterythriller, aber wenn das nicht zum Horror zählt, lese ich lieber niemals Horrorromane ;) Wer starke Nerven hat, keine Liebesgeschichte sucht und wer es gut vertragen kann, von zerstümmelten Tieren und ausgeweideten Menschen zu lesen (wobei die meist schon tot sind, als es gibt nur wenig brutale und blutige Szenen), sollte unbedingt zugreifen... denn obwohl es eigentlich so gar nicht meins ist, fand ich das Buch doch fesselnd genug bis zum Schluss durchzuhalten....gedanklich werde ich vielleicht noch ein wenig brauchen, um dies Buch wieder abzuschütteln... ein tolles Buch mit genialer Atmosphäre, das Märchen, Mystery, Realität, Horror und Fantasy in sich vereint! 
Mit Sicherheit auch ein Buch, dass man gut ein zweites Mal lesen kann, dann schon mit dem Wissen einiger Dinge am Anfang des Buches, um es nochmal vollends zu verstehen.

Aber jetzt brauch ich wieder einen schönen Liebesroman mit Happy End und ohne Tote ;)))) *schauder*
Bewertung:

Über den Autor:
Ronald Malfi wurde 1977 in Brooklyn, New York, geboren. Später zog er mit seiner Familie nach Maryland um, wo er den Großteil seiner Kindheit an der Chesapeake Bay verbrachte. Schon früh entwickelte er Interesse an Kunst und gilt auch als kompetenter Musiker. 1999 schloss er sein Englisch-Studium an der Towson University ab. Einige Jahre lang war er Frontmann der Alternative-Rock-Band Nellie Blide. Als Schriftsteller ist Malfi bekannt für seinen subtilen, literarischen Stil und einprägsame Charaktere, wodurch er auch bei Lesern anspruchsvoller Literatur großen Anklang findet.

1 Kommentar:

  1. *lach* super Rezension, Nica. Das Buch lacht mich ja sehr an. Ich mag ja so bissel gruselige Sachen ganz gerne (aber auch nicht immer).

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